An der Schwelle zur Schizophrenie

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October 20, 2012 by Julian Hartmann

Neulich auf sueddeutsche.de: eine wunderbare Kolumne von Violetta Simon (ein Name wie aus einem Pilcher-Film, herrlich). Die Journalistin hat sich, inspiriert durch ein GQ-Interview mit Ben Kingsley, Gedanken gemacht über uns Männer. Sie kommt dabei zu einem Ergebnis, das meine These vom verwirrten Mann bestätigt:

“Der Mann von heute bewegt sich permanent an der Schwelle zur Schizophrenie. Zumindest steckt er inmitten einer dauerhaften Identitätskrise. Er hat nämlich keine Ahnung, wie er mit Frauen umgehen soll. Kein Wunder: Das wissen sie ja selbst nicht.”

Die Autorin gibt den Frauen die Schuld daran, den identitätskriselnden Softie heraufbeschworen zu haben, “der gefälligst die Stoffwindel statt seines Wagens waschen sollte”. Das ist edel von ihr, hilft uns aber nur bedingt weiter. Denn ist der Mann erst einmal als Softie sozialisiert, dürfte es ihm höllisch schwerfallen, den Macho in sich zu suchen, geschweige denn, zu finden. Einmal Softie, immer Softie? (eine Frage, die ich mir oft stelle).

Und dann wäre da noch die unüberwindbar scheinende Kluft zwischen Traumvorstellung und Realität. Ein durch und durch weibliches Dilemma, wenn ihr mich fragt. Eines, das uns schier in den Wahnsinn treibt.

“Frauen wünschen sich hemmungslosen Sex auf dem Küchentisch, erlauben ihrem Mann aber nicht einmal, die Küche mit Schuhen zu betreten. Sie träumen von nach Abenteuer riechenden Kerlen mit Dreitagebart, lassen sich aber von ihrem eigenen erst küssen, wenn er geduscht und rasiert ist.”

Mein Vorschlag wäre ein erst noch zu entwickelnder moderner Machismo. Eine Art Mashup der Männerrollen. Ein Wolpertinger der Männlichkeit (denkst du noch, oder spinnst du schon?). Wie genau dieser moderne Machismo aussehen soll, darüber soll hier in den kommenden Wochen und Monaten noch ausführlich die Rede sein.

Die Autorin selbst ist gegen ein neues Männerbild. Ihr Fazit ist ernüchternd:

“Vielleicht wäre die Lösung nicht eine weitere Rolle. Sondern mehrere Männer für jede Frau. Einer allein kann es ihr ohnehin nie recht machen.”

Dass Mann es den Frauen nie recht machen kann, höre ich nicht zum ersten Mal. Ich werde es aber nicht akzeptieren. Ja kruzifix, irgendwie muss das doch gehen (oder nicht?).

3 thoughts on “An der Schwelle zur Schizophrenie

  1. […] war kürzlich zu lesen: “Der Mann von heute bewegt sich permanent an der Schwelle zur Schizophrenie. Zumindest steckt er inmitten einer dauerhaften Identitätskrise.“ Der Focus griff das Thema mit […]

  2. Thomas says:

    Ein Mann ist, was er tut.
    Liest er nicht, bildet er sich nicht (weiter), bleibt er ein Trottel. Ein Opfer, ein Lila Pudel, selbst als Macho- dämlich.
    Und Männer- Bildung tut not. Aber nur bei denen, die die Einschläge auch zu FÜHLEN imstande sind. Zu viele haben resigniert. Lassen sich zuerst auf´s Sofa zum schlafen schicken, dann in die Wüste, um als entsorgte Zahlväter ums Besuchsrecht für ihre Kinder winselnd sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Zu spät.
    Eigene selbst- Schuld, der Kahn ist abgesoffen, da ist nichts mehr zu holen.
    Aber bei den Jüngeren- da könnte noch was gehen. “Die Wahre Kraft des Mannes” http://www.amazon.de/wahre-Kraft-Mannes-Hardcover-Seiten/dp/3831203865/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1334228283&sr=8-2
    beginnt mit Hugo von Hoffmannsthal:
    “Und wuchs im Mund dir das Wort-
    so wuchs in die Hand dir die Kette.
    Ziehe nun das Weltall zu Dir.
    Ziehe! Sonst wirst Du geschleift.”

    Wer spricht ein Machtwort?

  3. […] Wunsch bei den Frauen nach einem modernen Männerbild tatsächlich ist. Dass wir Männer in einer Identitätskrise stecken, haben wir hier schon ausführlich behandelt; ebenso, dass viele (darunter lange Zeit auch […]

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