Sex statt Sexismus

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January 30, 2013 by Julian Hartmann

Schluss mit luschig!Die Herrenwitz-Affäre um Rainer Brüderle war nur der Anlass für eine Debatte, die weite Kreise zieht. Egal ob unter dem Schlagwort #aufschrei bei Twitter, in Fernsehshows oder Facebook-Foren – selten sind Männer wie Frauen so aufgebracht und in ihrer Meinung gespalten.

Es gibt Männer, die die Debatte ernster nehmen als Frauen; es gibt Frauen, die sich nicht zu schade sind, steinzeitliche Vorurteile über das Frausein zurecht-rücken zu müssen; es gibt Männerauslaufmodelle, die fassungslos sind ob der Diskussion und Rainer Brüderle verteidigen; es gibt Alt-Feministinnen, die die Chance nutzen, immergleiche einseitige Parolen herauszuposaunen. Alle glauben recht zu haben, doch nur eines steht fest: Die Verwirrung ist groß, unter Männern wie unter Frauen.

Für den modernen Machismo, wie ich ihn propagiere, sind Gleichberechtigung und Emanzipation Selbstverständlichkeiten. Dazu gehört der allzeit respektvolle Umgang miteinander. Das mag banal klingen, ist aber ein Wundermittel. Sexuelle Belästigungen sind natürlich absolut inakzeptabel. Nicht zu erkennen, wann mein Gegenüber bereit ist für einen Flirt und wo der richtige Ort und die richtige Konstellation dafür ist, zeugt von mangelndem Stil und Charakterschwäche.

Eine Frage des Respekts

Foto: AISPIX by Image Source / http://www.shutterstock.com

Lernwillige Zeitgenossen fragen sich, wo denn nun die Grenze zwischen Sexismus und einem Flirt verläuft? Die Frage ist verblüffend leicht zu beantworten: Schauen, mustern, genussvoll blicken ist völlig in Ordnung. Das machen Frauen wie Männer gerne, und viele fühlen sich dabei – aktiv wie passiv – oftmals gut. Glotzen, Starren, Gieren und Sabbern ist dagegen Tabu. Ein Jammer, das explizit erwähnen zu müssen, aber: Nicht jede Frau, die sich gerne körperbetont kleidet, hat Interesse daran, aufgerissen zu werden. Reißt euch zusammen, Männer! Wer Altmacho-Sprüche und spätpubertäre Handlungen von Rainer Brüderle oder Silvio Berlusconi süffisant-überheblich belächelt und nicht ernst nimmt, gehört entweder einer Männergeneration an, die ohnehin nicht von modernen Rollenbildern zu überzeugen ist, oder hat schlichtweg nicht kapiert, worum es hier geht. Nämlich um Respekt. Und um Feingefühl. Es gehört für mich zur Emannzipation, dass Männer Frauen lesen lernen. Das Gespür für den richtigen Moment lässt sich ebenso entwickeln wie das Deuten von Reaktionen. Frauen lieben es, erobert zu werden, keine Frage. Frauen lieben Flirten. Und Männer sollten das tun. Unbedingt. Oft und mit Vollgas. Mit 100 Prozent Männlichkeit. Aber Herrschaftszeiten, doch nicht aus einer Geschäfts- oder Machtsituation heraus.

Macht euch nichts vor, es geht immer um Macht

Es geht um Macht. Macht euch nichts vor, es geht immer um Macht. Um das Machtgefühl des oder der Vorgesetzten, um das Machtgefühl des körperlich Überlegenen, oder schlicht um das Machtgefühl, das einige Männer noch immer allein darin begründet sehen, dass sie das stärkere Geschlecht seien. Arm sind all die Testosterontonis! Macht macht niemanden zu einem besseren Menschen. Im Gegenteil.

Was Männer lernen können:
  • Nehmt die Sexismus-Debatte ernst.
  • Habt Respekt im Umgang miteinander.
  • Lernt Frauen zu lesen.
  • Glotzt nicht, sondern blickt.
  • Flirtet im richtigen Moment.
  • Testosterontonis sind Auslaufmodelle. Get up and evolve!
  • Macht macht niemanden zu einem besseren Menschen. Im Gegenteil.
Was Frauen lernen können:
  • Nehmt die Sexismus-Debatte ernst.
  • Sendet klare Signale und sagt, wenn euch etwas stört.
  • Keine Spielchen.
  • Auch Männer sind Opfer sexueller Belästigung.
  • Macht macht niemanden zu einem besseren Menschen. Im Gegenteil.
Was wir sowieso alle tun sollten:
  • mehr Sex statt Sexismus!

8 thoughts on “Sex statt Sexismus

  1. Ann says:

    ” Schauen, mustern, genussvoll blicken ist völlig in Ordnung” -> Und genau das ist das Problem. Darunter versteht jeder was anderes… Und das fasst dann auch jede anderes auf.

    • julihartmann says:

      Ein schmaler Grat, zugegeben. Dennoch ist Schauen etwas anderes als Gaffen. Mustern etwas anderes als Glotzen. Und Blicken etwas anderes als Gieren. Ich habe die Worte bewusst gewählt. Für Frauen gilt im Übrigen das Gleiche. Selbstverständlich.

  2. Vicky Amesti says:

    Ich finde, Du triffst vieles auf den Punkt. Meiner Vorschreiberin möchte ich mich allerdings auch anschließen. Die Grenzen sind da oft fließend. Aber ich finde, mit dem Stichpunkt “Macht” triffst Du es ganz gut. “Genussvoll blicken” auf der WG-Party ist etwas anderes, als wenn mein/e Chef/in, Prof, Mitarbeiter/in, Kunde/in dies tut. In professionellen Beziehungen v.a. mit Machtgefälle haben “genussvolle Blicke” nichts zu suchen. Soviel Selbstbeherrschung traue ich den meisten Menschen zu.

    “Lernt Frauen lesen” – Frauen sind doch keine Bücher.😉 Sie können Sprechen und Auskunft geben und informieren und beraten und sagen, was sie mögen und was nicht. “Lernt Frauen verstehen” gefiele mir hier besser.

    Deine Lern-Punkte für Frauen kann ich alle so unterschreiben! Das ist überhaupt das wichtigste, dass ein offener Umgang und Austausch in Gang kommt, über Dinge, die man mag, die man will, wie man mag und wie man will.

    LG, Vicky

  3. Tonia says:

    Vielleicht kommen manche Männer einfach zu wenig zum Zug und glauben, mit dieser Art weiter zu kommen oder lassen unterbewusst ihren Frust aus.
    Im Zusammenhang mit der Machtposition sehen wir alle nur ein böses Ungeheuer. Ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Meine eigene Erfahrung lässt die Vermutung zu, dass gerade die Generation Brüderle es einfach nicht gelernt hat. Was wurde ihm von den Frauen in seiner Umgebung vorgelebt und beigebracht, bevor er diese Position einnahm? Natürlich ist er heute erwachsen und sollte in der Lage sein, zur Einsicht und Erkenntnis zu gelangen. Aber mal ehrlich, muss Idiotie immer gegendert werden? Wer bin ich denn, einem Einzelnen das Recht auf Dummheit abzusprechen?
    Die Mehrheit der Politiker hält das gemeine Volk für dumm.
    Und Männer missbrauchen ihre Macht auch ihren männlichen Untergebenen gegenüber.

    Wir können vieles bewirken allein indem wir der kommenden Generation ein gutes Vorbild sind. Mädchen und Jungs von heute bekommen von Müttern und Vätern leider immer noch ein festgelegtes Rollenbild vorgelebt. Die meisten Freunde meines Sohnes wissen ganz genau, was sich gehört und was nicht, gleich um welches Geschlecht es geht. Und wer es nicht weiß, der bekommt es von mir an passender Stelle gesagt. Damit habe ich (m)einen Beitrag geleistet, Verantwortung übernommen und er wird nicht behaupten können, man habe ihm nie eine ordentliche Aufklärung angedeihen lassen.

    LG, Tonia

  4. […] Benehmen und sexuelle Belästigung jeder Art sind ausnahmslos zu verurteilen. Für den modernen Machismo sind Gleichberechtigung, […]

  5. […] Schwarzer und Rainer Brüderle sind schuld. Nicht dass die beiden viel gemeinsam hätten, also eigentlich gar nichts. Aber ohne […]

  6. […] niemals in die Brüderle-Falle: Plumpe Altherrenwitze oder einfältige Anzüglichkeiten sind eine Schande für den modernen […]

  7. Hi, the whole thing is going fine here and ofcourse every one is sharing information, that’s actually excellent, keep up writing.

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